Der digitale Knigge

In den letzten Wochen haben wir soviel digital kommuniziert, wie sonst nie zuvor. Dabei habe ich viele Dinge gelernt. Vor allem was den Umgang mit digitalen Medien und Kommunikationswegen betrifft. Antwortzeiten auf Nachrichten liegen zwischen 5 Minuten und 15 Tagen. Manche schafften es mehrere Videokonferenzen gleichzeitig zu halten und ich wurde (mehrfach) Zeuge, dass Menschen ihr Smartphone während der Videokonferenz mit aufs Klo nahmen. Aber von den letzten Wochen abgesehen, stört es mich auch, dass in Restaurants oder bei Gesprächen ständig das Smartphone überprüft wird. Auch im Unterricht ist das Smartphone (wenn nicht im Unterricht richtig eingesetzt) oft ein Störfaktor.Verbote (auf das Klassenzimmer bezogen) sind in unserer hoch-technisierten Gesellschaft vermutlich nicht zielführend. Vielmehr brauchen wir gute Regeln. Wir brauchen einen digitalen Knigge. Viele aktuelle Informationen findet man dazu allerdings nicht. Ein Freund von mir der den Technik-Blog EDV-Linzbauer betreibt, hat sich bereits mit dem Thema auseinander gesetzt und sich Gedanken darüber gemacht. Auch auf der Plattform Reddit gab es darüber bereits einen regen Diskurs. Über eine Diskussion in unserer Facebook Gruppe und neuen Input würden wir uns sehr freuen.


Umgang mit dem Smartphone:

  • Sie benutzen bei Gesprächen den Lautsprecher? Sagen Sie ihrem Gesprächspartner darüber Bescheid.
    Bei allen anrufen, egal ob Telefongespräch oder Whatsapp-Anruf gilt: Sagen Sie ihrem Gesprächspartner, dass er laut zu hören ist. Es könnte sonst peinlich werden, weil er denkt, dass nur eine Person zuhört.
  • Lautlos! Stellen Sie ihr Smartphone in der Öffentlichkeit auf lautlos. Im besonderen wenn Sie Musik hören, Videos betrachten oder beim spielen.
    Benutzen Sie Kopfhörer oder stellen Sie Ihr Smartphone auf lautlos. Ihre Mitmenschen interessieren sich nicht für Ihre liebsten Katzenvideos oder den neuesten Song von Shakira. Das betrifft auch Telefonate. In der Öffentlichkeit sin Telefonate über Lautsprecher tabu!
  • Nicht jeder Anruf muss sofort angenommen werden.
    Werden Sie während eines Gesprächs mit einer Person angerufen befindet man sich in einer Zwickmühle. Nimmt man das Telefonat an und unterbricht das Gespräch, oder ignoriert man den Anrufer? Wartet man auf einen dringenden Anruf, dann kann man auch abheben. Den Gesprächspartner einfach stehen zu lassen, ist allerdings unhöflich. Man muss ihn darüber informieren, am besten auch grob über die Natur des Anrufes. Zum Beispiel: „Entschuldige Sie mich bitte kurz, das ist meine Frau und ich warte schon auf ihren Anruf.“
  • Legen Sie Ihr Smartphone zur Seite, wenn Sie mit jemandem reden.
    Egal ob es die Kellnerin der Paketzusteller oder die Kellnerin im Restaurant ist: Es ist respektlos während einer kurzen Unterhaltung auf das Smartphone zu sehen.
  • Weniger ist mehr. Bei einem Treffen mit Freunden, starren Sie nicht ständig auf Ihr Smartphone.
    Wer kennt das nicht: Man sitzt mit seinen Freunden (oder anderen Menschen) zusammen an einem Tisch. Jeder hat das Smartphone vor sich auf dem Tisch liegen, und alle 2 Minuten greift ein anderer nach seinem Gerät (Smartphone) und beginnt damit herumzuspielen. Das ist bei Konversationen nervend und störend. Eine Idee hierzu: Installieren und spielen Sie die App: Downside. Downside ist eine App, die das obige Problem beheben möchte. Alle Spieler drehen ihr Smartphone auf die Bildschirmseite – und wer es zuerst wieder in die Hand nimmt, hat verloren. Welche Konsequenzen das dann hat, wird bestimmt durch einen Einsatz, den man vorher festlegen kann. Ein Getränk, eine Runde oder das ganze Essen spendieren? Alles ist möglich, nichts umsonst.


Antworten auf Nachrichten:

  • Machen Sie niemanden einen Vorwurf, der nicht sofort auf eine Nachricht antwortet. Obwohl ein „Gelesen-Häkchen“ anzeigt, dass die Nachricht gelesen wurde, gibt es genug gute Gründe, wieso jemand nicht sofort antworten kann oder möchte. Die „Gelesen-Häkchen“ sind haben Vorteile und Nachteile. Aber nur weil ein Häkchen andeutet, dass eine Nachricht gelesen wurde, heißt das nicht, dass der Empfänger sie aktiv gelesen und registriert hat. Auch gibts es genug Situationen, in denen man nicht sofort antworten kann. Der Wichtigste Punkt ist: Menschen haben ein unterschiedliches Social-Media Verhalten. Sie konsumieren und kontrollieren Social-Media und Ihre digitalen Postfächer einfach häufiger oder seltener. Was uns zum nächsten Punkt bringt.
  • Lassen Sie niemanden zu lange auf Antworten warten. Nach einer Woche zu antworten, ist unhöflich.
    Analog zum vorherigen Punkt sollte man niemanden zu lange auf eine Antwort warten lassen. Je nach Umfeld und Service kann die Antwortzeit variieren. Via Messenger und sozialen Netzwerken ist ein Tag Reaktionszeit schon lang. Das hängt aber von der Art des sozialen Netzwerks ab. Via E-Mail darf es auch mal ein paar Tage länger dauern.


Nachrichten schreiben:

  • Ausrufezeichen!!!! und GROßBUCHSTABEN vermeiden.
    Die übertriebene Nutzung dieser Stilmittel suggeriert dem Leser, dass er angeschriehen wird. Hier gilt: weniger ist manchmal mehr. Überlegen Sie also vorher genau, wann Sie Großbuchstaben und Ausrufezeichen einsetzen.
  • Autokorrektur kann gefährlich sein.
    Die Autokorrektur am Smartphone ist Fluch und Segen zugleich. Oft bessert das Smartphone unpassende oder falsche Worte selbständig aus. Da kann ganz schnell peinlich werden. Lesen Sie jeden eingetippten Satz besser zweimal, bevor Sie auf senden tippen.
  • Vorsicht bei der Verwendung von Emojis
    Emojis können unsere Gesprächspartner verwirren. Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte – das gilt auch für Emojis. Sie können helfen eine Aussage zu unterstreichen und werden gerne als kurze Antwort genutzt. Aber Vorsicht, denn Emojis könnten unterschiedlich interpretiert werden. Ein Beispiel: Gefaltete Hände können für “ist gerade in sich gekehrt” oder “spricht ein Gebet” oder “hofft auf Erleuchtung” gehalten werden. Oder Sie werden als „High-Five“ oder als “Danke” interpretiert. Im Kontext ein Emoji falsch zu interpretieren ist ein klassisches digitales Fettnäpfchen.
  • Falscher Chat
    Sie haben gerade noch mit Ihrem Lebenspartner gechattet und parallel mit Ihrem besten Freund das letzte Wochenende diskutiert. Es kann es schnell passieren, dass im falschen Chat getippt wird. Das kann witzig werden, aber auch sehr peinlich! Auch hier gilt: überprüfen Sie vor dem senden, wem Sie was schicken.
  • Kettenbriefe, Spam und Ähnliches.
    Sie verbreiten sich nicht nur per E-Mail rasend schnell, gerade in Messengern sind sie sehr weit verbreitet. Nerven Sie Ihre Kontakte nicht mit dem Weiterleiten des neuesten Kettenbriefs. Sie werden ganz bestimmt nicht mehr Pech oder Glück haben als sonst auch.


Privatsphäre:

  • Wenn Sie nicht auf Ihrem eigenen Endgerät arbeiten, loggen Sie sich überall ordentlich aus.
    Egal ob Facebook, Webmail oder Twitter. Loggen Sie sich aus, wenn Sie fertig sind. Das ist besonders an öffentlichen Geräten wichtig, aber auch bei privaten Geräten die nicht Ihnen gehören. Und nein, die Tatsache dass Sie Ihr Passwort nicht auswendig wissen, ist keine gültige Ausrede. Verwenden Sie Beispielsweise einen Passwort-Manager, dann müssen Sie sich nur mehr ein einziges Passwort merken. Das Passwort des Passwort-Managers.
  • Starren Sie nicht auf das Display von anderen.
    Im Bus, in der U-Bahn, im Zug oder in der Klasse: Lassen Sie Ihre Blicke nicht über fremde Smartphones streichen und starren Sie nicht auf die Bildschirme von anderen. Sie lesen doch auch nicht. die Post Ihres Nachbarn.
  • Markieren Sie niemanden auf einem Foto oder in einem Beitrag, ohne ihn vorher zu fragen.
    Ausnahme können bestimmte Veranstaltungen sein, auf denen man vorher damit rechnen muss. Dies wird in der Regel aber bei der Veranstaltung ausgeschrieben. Im privaten Umfeld ist die Nachfrage unbedingt notwendig.
  • Wenn Ihnen jemand sein Smartphone, Tablet oder seinen Laptop gibt, um ein Foto anzusehen, wischen oder klicken Sie nicht weiter. Es sei denn es wurde ausdrücklich erlaubt wurde.
    Sollen Sie sich nur ein einziges Foto ansehen, dann bleiben Sie auch dabei. Fangen Sie auf keinen Fall an, nach links oder rechts zu wischen. Wenn Sie sich mehrere Bilder ansehen sollen, wischen Sie nur so lange, bis ein Bild offensichtlich nicht mehr dazugehört und kein einziges Bild weiter!
  • Stellen Sie niemals ungefragt Fotos oder Videos von anderen Personen online.
    Auch hier gilt: Die Ausnahme sind Veranstaltungen, auf denen man vorher damit rechnen muss. Privat sollten Sie keine Fotos von anderen Personen online gestellt werden, ohne ausdrückliche Genehmigung. Das gilt besonders für Freizeit Fotos. Sie möchten ja sicherlich auch keine unangenehmen Party-Fotos von sich im Netz finden.


Verhalten bei Home- Office/Schooling

  • Dress for success. Das gilt auch im Home-Office
    Auch wenn man von seinem Wohnzimmer aus arbeitet, sollte man sich nicht gehen lassen. Dass man sich für eine Videokonferenz ordentlich anzieht, sollte selbstverständlich sein. Es hat auch den Vorteil, dass die Konzentration steigt. Geduscht und angezogen zu sein bringt Struktur in den Home-Office-Alltag und sorgt für mehr Effizienz.
  • Achten Sie auf ein ordentliches „Büro“
    Auch auf die Umgebung bei Videokonferenzen sollten Sie achten. Allzu private Fotos an der Wand oder ein unaufgeräumtes Zimmer sollten den Kollegen besser verborgen bleiben.
  • Legen Sie sich auf die Kommunikationsmittel fest.
    Dank der Kommunikation über E-Mail, Telefon, Skype, Teams, Webex, usw., können wir perfekt von zu Hause aus arbeiten. Allerdings sollte im Vorfeld abgeklärt werden, welcher Kollege mit welchen Kommunikationsmitteln arbeitet. Wer ständig die Plattformen wechselt oder viele verschiedene Plattformen verwendet kommt mit Sicherheit schnell durcheinander. Im Idealfall wird über eine gemeinsame Plattform gearbeitet und kommuniziert.
  • Geben Sie Bescheid wenn Sie im Urlaub oder verhindert sind.
    Abwesenheitsmitteilungen sind nützlich, weil sie Erwartungen klarstellen. Halten Sie sie kurz und geben Sie für dringende Anliegen eine weitere Kontaktmöglichkeit an.



Schul-Projekt zum Thema Medienethik:


Medienethik wird am Schulzentrum Neckartenzlingen groß geschrieben. Deshalb fand sich für einen Zeitraum von acht Wochen eine schulart- und altersübergreifende Projektgruppe zusammen, um sich dem Thema „Medien-Knigge“ zu widmen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Einen Medienknigge mit neun Regeln und Empfehlungen wurde verfasst und an alle Schüler des Schulzentrums verteilt.

Um eine breite Öffentlichkeit mit dem Thema zu erreichen, entwickelten die Schüler die Aktion „Nicht als App erhältlich“. In einem durch die Schüler konzeptionierten Kurzfilm werden mit einem Aufkleber Szenen im Realleben gekennzeichnet, die so als App nicht heruntergeladen werden können. Zusätzlich wurde dazu eine Plakataktion realisiert.

Informationen: https://medien-knigge.de



Schulchat-Knigge für’s digitale Klassenzimmer


Der Blog Digitale-Schule hat einen Schulchat-Knigge entwickelt. Um sicherzustellen dass sich Schüler/innen im Homeschooling genauso sicher und wohl fühlen, wie Sie es im Klassenraum unter der Aufsicht Ihrer Lehrkräfte tun, wurde der „Schulchat Knigge“ übersichtlich in einer Infografik zusammengefasst.


Weiterführende Links:

Reddit – With the world changing…

EDV Linzbauer – Digitale Knigge

Die Presse – Knigge 2.0: Benimmregeln für das digitale Zeitalter

Downside – Pay attention to your Friends

Computerwoche – So geht digitale Höflichkeit

PSD Bank München – Digital Knigge im Alltag – Tipps gegen Fettnäpfchen

Projekt Medien-Knigge

Cancom – Das Business IT Journal – Höflichkeit in der Digitalisierung: Darauf ist zu achten

Digitale Schule – Schulchat-Knigge für’s digitale Klassenzimmer

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